Scholars in Residence

„Scholars in Residence“ im Rahmen der Deutsch-Ägyptischen und Deutsch-Tunesischen Transformationspartnerschaft 2012/2013:

Mit dem Projekt „Scholars in Residence“ möchte das Goethe-Institut ausgehend von den Transformationsprozessen in der Region Nordafrika den interkulturellen Dialog im Wissenschaftsbereich fördern und die Wissenschaftsbeziehung zwischen Deutschland und der arabischen Welt nachhaltig stärken.

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI ) und dem Zentrum für Mittelmeerstudien der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt.

Angesichts des arabischen Frühlings im nordafrikanisch-arabischen Raum stellen sich auch den Kulturwissenschaften neue Fragen. Die Auseinandersetzung mit Themen wie „Digitale Medien“, „Kultur und Öffentlicher Raum“ sowie „Kultur und Konflikt“ spielen aktuell in Ägypten, Marokko und Tunesien eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs. Auch in Zukunft werden diese Themen in den Geistes- Kultur- und Sozialwissenschaften relevant sein, vor allem im Hinblick auf Prozesse individueller und kollektiver Identitätskonstruktion.

Acht Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus Ägypten, Deutschland, Marokko und Tunesien werden sich während des Austauschprojektes unter anderem mit diesen Themenkomplexen interdisziplinär auseinandersetzen.

Bürgerpartizipation im digitalen Raum
Vor dem Hintergrund politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen in Nordafrika und Nahost, aber auch in Europa stellt sich die Frage nach dem digitalen Raum als neue Öffentlichkeit. Welche konkrete Bedeutung besitzen die „Digitalen Medien“ im Rahmen der politischen Bewegungen in den nordafrikanisch-arabischen Ländern – sei es für die politische Organisation des Widerstands oder für die Entfaltung einer neuen Struktur zivilgesellschaftlicher Kommunikation und politischer Öffentlichkeit?

Transformation des Öffentlichen Raumes
Der öffentliche Raum ist ein konstitutives Element für Gesellschaften. Er ist sowohl Forum für Begegnungen als auch Plattform für die Herausbildung einer öffentlichen Meinung.

Welche Funktion kam dem Kairoer Tahrir-Platz während des arabischen Frühlings für die Konstitution einer kritischen Öffentlichkeit zu? Inwiefern werden öffentliche Plätze zu Räumen kollektiver Identität? Und welche Transformationen des Öffentlichen Raums fanden nach dem arabischen Frühling statt?

Die Nachwuchswissenschaftler arbeiten zusammen in Tandems, bestehend aus einem deutschen Wissenschaftler und einem Wissenschaftler aus Nordafrika.

Zu den Teilnehmern des Austauschprojektes gehören:

Dr. Ghada Alakhdar (Kairo) und Dr. Martin Zillinger (Siegen)
Hani Morsi (Kairo) und Anna-Lisa Müller (Hamburg)
Dr. Mohamed Lachhab (Agadir) und Dr. Sarhan Dhouib (Kassel)
Dr. Mongi Serbaji (Djerba) und Monika Zbidi (Erlangen)

Mehr zu den Projekten des Goethe-Instituts im Rahmen der Deutsch-Ägyptischen und Deutsch-Tunesischen Transformationspartnerschaft 2012/2013:

www.goethe.de/transformationspartnerschaft

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Zu den Teilnehmern des Austauschprojektes gehören:



Sarhan Dhouib

Sarhan Dhouib (*1974) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Kassel und arbeitet dort im Forschungsprojekt „Ethik der Globalisierung“ mit dem Schwerpunkt „Menschenrechtsdiskurse in der islamischen Philosophie“. Nach einem Studium der Philosophie an der Universität Sfax (Tunesien) und einem Studium der Geschichte der Philosophie an der Université de Paris, promovierte er 2008 an den Universitäten Bremen und Tunis über Schellings Identitätsphilosophie. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehört die Arabisch-islamische Philosophie und die Interkulturelle Philosophie. Für seinen Beitrag zur „Universalität der Menschenrechte“ wurde er 2011 mit dem Interkulturpreis des Goethe-Instituts ausgezeichnet. Im selben Jahr koordinierte er die
vom DAAD geförderte Sommerschule in Tunis zu „Kultur, Identität, Menschenrechte. Auf dem Weg zu einer transkulturellen Perspektive“ für arabische und deutsche Nachwuchswissenschaftler. Zudem organisierte er die Konferenz „Demokratie, Pluralismus und Menschenrechte. Auf dem Wege zu einer transkulturellen Perspektive“, die im Oktober 2012 stattfand.

Während des „Scholars in Residence“-Projektes möchte Sarhan Dhouib seine Forschung zur Transkulturalität der Menschenrechte in der arabisch-islamischen Philosophie der Gegenwart vertiefen sowie Prozesse der Implementierung und Institutionalisierung von Menschenrechten innerhalb des arabisch-islamischen Kulturraums untersuchen.


Mohamed Lachhab

Mohamed Lachhab (*1972) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Université Ibnou Zohr in Agadir, Marokko. Im Anschluss an sein Philosophiestudium promovierte er im Jahr 2008 über „Das Paradigma der Kommunikation in Habermas‘ Kritischer Theorie“. Seine Forschungsgebiete sind die Sozialphilosophie- und Politische Philosophie, Kritische Theorie, Moralphilosophie sowie die deutsche und amerikanische Philosophie des 20. Jahrhunderts. Mohamed Lachhab beschäftigt sich im Rahmen von „Scholars in Residence“, ausgehend von Habermas‘ Modell der Öffentlichkeit, mit der Konstitution einer kritischen Öffentlichkeit und ihrer Rolle bei der Demokratisierung der Gesellschaft. Dabei interessiert ihn unter anderem, ob sich die Funktionen der kritischen Öffentlichkeit im Demokratisierungsprozess der modernen Gesellschaften, wie sie bei Habermas bestimmt werden, auch für den Demokratisierungsprozess im arabischen Raum identifizieren lassen.


Anna-Lisa Müller

Anna-Lisa Müller (*1981) hat Soziologie, Deutsche Literatur und Philosophie an der Universitäten Konstanz und Växjö, Schweden, studiert. In Konstanz setzte sie sich im Anschluss als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ mit dem Thema Creative Cities auseinander. Ihr Forschungsschwerpunkt Stadtsoziologie stand auch im Mittelpunkt ihrer Dissertation an der Universität Bielefeld, in der sie urbane Transformationsprozesse in Dublin und Göteborg analysierte. Seit 2012 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der transdisziplinär arbeitenden Forschungsgruppe "Urbane Metamorphosen" an der HafenCity Universität Hamburg.

Im Rahmen von Scholars in Residence arbeitet sie im Schwerpunktthema „(Stadt-)Kultur und öffentlicher Raum“ und möchte die Prozesse sozialer Bewegungen und die Konstitution von öffentlichen Räumen am Beispiel des Kairoer Tahrir-Platz untersuchen.


Hani Morsi

Hani Morsi (*1982) absolvierte einen Bachelor in Rechnungswesen sowie einen Master in Wirtschaft/Internationale Entwicklung an der American University in Kairo. Seit 2011 promoviert er am Institut für Entwicklungsforschung an der University of Sussex, Großbritannien. Sein Forschungsschwerpunkt liegt hierbei auf Bürgerpartizipation, soziokulturellem Wandel und politischem Engagement. In seinen Online-Publikationen beschäftigt er sich mit digitalem Aktivismus, Social Media und deren Einfluss auf einen sozialen Wandel im post-revolutionären Ägypten.

Hani Morsi möchte sich während des Projektes „Scholars in Residence“ damit auseinandersetzen welche Rolle moderne Informations- und Kommunikationstechnologien während dem arabischen Frühling gespielt haben.


Monika Zbidi

Monika Zbidi (*1986) arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Orientalische Philologie und Islamwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In ihrer Promotion beschäftigt sie sich mit dem Thema „Öko-Islam − Moderne Strömung des Islams“. Sie untersucht dabei die moderne Strömung der islamischen Umwelttheologie anhand von aktuellen ökologischen Interpretationen der religiösen Quellen des Islams sowie durch die Analyse von Umweltaktivitäten. Inwieweit die Anwendung einer islamischen Umweltethik für die Entwicklungsarbeit in muslimisch geprägten Ländern von Relevanz sein könnte, stellt eine zentrale Fragestellung in ihrem Forschungsvorhaben dar. Monika Zbidi studierte Islamwissenschaft, Politische Wissenschaft und Semitische Philologie und verbrachte ein Trimester an der Universität al-Manar in Tunis.

Welche Rolle und Relevanz das Thema „Ökologie und Islam“, insbesondere angesichts der Transformationsprozesse in Tunesien spielt, möchte sie während des Projektes „Scholars in Residence“ untersuchen.


Mongi Serbaji

Mongi Serbaji (*1973) arbeitet derzeit als Oberstudienrat an einer weiterführenden Schule in Djerba, Tunesien und forscht im Bereich Gerechtigkeit und Menschenrechte, die er aus einer globalen Perspektive analysiert. Nach seinem Master in Philosophie und vertiefendem Studium zu Habermas‘ „Faktizität und Geltung“, promovierte er 2010 an der Universität für Geistes- und Sozialwissenschaften Tunis über die Prozeduralisierung des Rechts nach Habermas („Procedural Reconstruction of Right according to Ha-bermas“).

Ausgehend vom arabischen Frühling und den Demokratisierungsprozessen in Tunesien möchte Mongi Serbaji im Rahmen von „Scholars in Residence" erforschen, inwiefern die neue Medieninfrastruktur eine neue Öffentlichkeit in der arabischen Welt generiert hat. Dabei interessiert ihn, ob und unter welchen Bedingungen der transnationale Aspekt von Öffentlichkeit, der von den neuen bzw. sozialen Medien strukturiert wird, den Demokratisierungsprozessen auf nationaler Ebene dient oder sogar entgegenwirkt.


Ghada Alakhdar

Ghada Alakhdar (*1979) ist Kultur- und (Online-)Medienwissenschaftlerin und absolvierte ihr Studium am Lehrstuhl für Englisch und Literatur an der Cairo University, Giza. 2012 promovierte sie über “Cyber Culture“, zudem arbeitet sie als Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der MSA University in Kairo. In Deutschland nahm sie Anfang 2012 an der „Arab World Conference“ teil und wurde zum Potential des Internets für politische Interventionen interviewt.

Ghada Alakhdar wird im Rahmen von „Scholars in Residence“ am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen im Schwerpunktthema „Kultur, Wissenschaft und digitale Medien“ forschen. Ihr Fokus liegt dabei auf der Beschäftigung mit Online-Medien und deren sozio-kulturellem Einfluss auf die Diversität in der ägyptischen Gesellschaft. Mit ihrem Tandempartner Martin Zillinger möchte sie insbesondere Online- und Offline-Forschungsmethoden vergleichen und in einem interdisziplinären sowie internationalen Kontext diskutieren.


Martin Zillinger

Martin Zillinger (*1973) ist Sozial- und Kulturanthropologe und arbeitet zurzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt „Trancemedien und Neue Medien“ an der Universität Siegen. Sein Fokus liegt auf Themen der Migration und Mediennutzung in transnationalen, religiösen Netzwerken zwischen Europa und Nord-Afrika. Als Stipendiat des Graduiertenkolleg „Die Figur des Dritten“ an der Universität Konstanz sowie des DAADs verbrachte er mehrere Feldforschungsaufenthalte in Marokko und promovierte über Magie, Trance und Folklore im marokkanischen Sufismus.

Im Kontext seines Schwerpunktthemas „Migration und Integration“ wird er sich mit religiösen Identitäten in Medien-Netzwerken beschäftigen.